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 Filmtipp
Zwei Meinungen
zu "Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr"
Federica (Valeria Bruni Tedeschi) ist eine mittelmäßig erfolgreiche Autorin und hat ein Problem: Sie ist reich und deshalb wird sie wohl in die Hölle kommen. Das ist schon in der Bibel nachzulesen: Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr, als das ein Reicher in den Himmel kommt. Verzweifelt versucht sie, einem Priester ihr Dilemma zu schildern, doch dieser ist bald der Meinung, sie wäre besser bei einem Psychologen aufgehoben. Auch ihr inzwischen verheiratete Exfreund Philippe (Denis Podalydès), den sie zufällig nach 5 Jahren wieder auf der Straße trifft, kann ihr keinen Trost spenden. Selbst bei ihrer Schwester Bianca (Chiara Mastroianni) und ihrem Bruder Aurelio (Lambert Wilson) erntet sie nur blankes Unverständniss, als sie erklärt, sie würde am liebsten auf ihre Milliarden-Erbschaft verzichten. Die Schauspielerin Valeria Bruni Tedeschi hat nach fast 50 Filmen seit 1986, darunter solche wie "Verrückt - Nach Liebe", "Vergiß mich", "Nenette und Boni", "Immer wieder die Frauen", "Ist Liebe nur ein Wort?", "Die Farbe der Lüge" und "Milch der Zärtlichkeit" jetzt wohl die Lust auf einen eigenen Film gepackt. Das Ergebnis ist durchaus sehenswert. Bruni Tedeschi setzt dabei das fort, was sie am besten kann: Emotional belastete, orientierungslose oder auch verzweifelte Frauen mit einer gelungenen Portion Komik zu portraitieren. Dabei wird sie unterstützt von ebenso erfahrenen Darstellern wie Denis Podalydès ("Rien sur Robert", "Die Diebin von Saint-Lubin", "Laissez-passer"), Chiara Mastroianni ("Diebe der Nacht", "Zu verkaufen", "Der Brief") und Jean-Hugues Anglade ("Nelly & Monsieur Arnaud", "La Reine Margot", "Betty Blue - 37.2 Grad am Morgen"). "Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr" dürfte vor allem Fans des französischen Kinos gefallen. - Sehenswert. (MR/030-Kino.de) All die Szenen, die Bruni Tedeschi aneinander reiht - Familienglück, Kinderspiel, Liebesleid und romantisches Sehnen - sind zur Komik beschleunigter Kitsch. Wie auf einem Karussell tauchen dieselben Szenen und Orte variiert immer wieder auf: die Ballettschule, die Kirche, das Krankenhaus, das Elternhaus in Italien, die Wohnung der Schwester, die Treffen mit Pierre, mit Philippe, ein Spielplatz im Park. Komik erzeugt Bruni Tedeschi durch Geschwindigkeit und den gnadenlosen Blick aufs Nebensächliche. Federica beobachtet, wie die Pflegerinnen ihren sterbenden Vater waschen und sich dabei erzählen, was sie am Wochenende unternehmen werden. Sie beobachtet, im Türrahmen stehend, wie sich der große Regisseur, dem sie ihr Stück angeboten hat, in der Nase bohrt.

Mag sein, dass sich die Regisseurin Bruni Tedeschi zu sehr um die Schauspielerin Bruni Tedeschi dreht. Mag sein, dass der Rhythmus des Films nicht ganz austariert ist. Seine Weisheit liegt jedoch darin, den Stoff, aus dem tragische Konflikte sind, mit melancholischer Leichtigkeit in der Schwebe zu lassen, ohne ihn ins Lächerliche zu ziehen. Tod, Schuld, Liebe, Geschwisterrivalität, Ehebruch, Verrat, Mutterschaft, Reichtum - all diesen Themen beugt sich der Film und erlöst sie nicht. Zum Schluss ist nur alles ein wenig in Bewegung gekommen, der Vater stirbt, die Affäre mit Philippe ist vielleicht aufgegeben, vielleicht auch nicht, dem Staat wird ein bisschen Geld geschenkt, die Schwester ist immer noch Konkurrentin und war vielleicht mit Pierre im Bett, vielleicht auch nicht. Der Film erlöst, weil er Lösung verweigert, er versöhnt mit dem ewig zwickenden Mieder, weil er sein Zwicken nicht leugnet. Wir sind eben alle nur Amateure in Sachen Lebensbewältigung. (Quelle: taz)

Wo dieser Film in Berlin läuft erfahren sie unter Berlinonline.de...
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