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Eine Highschool - irgendwo in der amerikanischen Provinz. Die Kamera beobachtet den Alltag verschiedener Schüler. Da ist John (John Robinson), der zu spät zur Schule kommt, weil sein alkoholabhängiger Vater wieder einmal zu spät nach Hause gekommen ist. Da ist Elias (Elias McConnell), der in einem Fotokurs ist und auf dem Campus sowie in der Schule jede Menge Fotos vom Schulalltag schießt. Dann gibt es die verschlossene Michelle (Kristen Hicks), die in der Bibliothek arbeitet und sich weigert, im Sportunterricht kurze Hosen anzuziehen. Fehlen darf natürlich auf keinen Fall die obligatorische, kichernde Mädchenclique aus Nicole (Nicole George), Brittany (Brittany Mountain) und Acadia (Alicia Miles), die sich auf der Toilette zuerst über die Männer aufregen und sich später ihrem gerade eingenommenem Mittagessen entledigen - man muss ja möglichst dünn bleiben.
Und dann gibt es die beiden Protagonisten Alex (Alex Frost) und Eric (Eric Deulen). Alex ist musikalisch sehr begabt und spielt gern Beethoven auf seinem Klavier. In der Schule wird er jedoch von seinen Mitschülern gemobbt. Eric ist ein eher unscheibarer Typ. Beiden würde man nicht zutrauen, dass sie einer Fliege etwas zu Leide tun können. Doch als die beiden ein Paket entgegennehmen, in dem sich eine automatische Waffe befindet, wird dem Zuschauer klar, was bald passieren wird...
Gus Van Sant, der in letzter Zeit im Hollywood-Mainstream erfolgreich war ("Psycho", "Good Will Hunting", "Finding Forrester") hat jetzt glücklicherweise wieder zu seinen alten Zeiten zurück gefunden ("Drugstore Cowboy", "My Own Private Idaho", "Even Cowgirls Get the Blues"). In dem in Cannes dreifach ausgezeichneten "Elephant" sollte der Zuschauer aber keine Antworten auf die Fragen erwarten, die ein Highschool-Massaker aufwirft.
Fast schon wie in einem Dokumentarfilm beobachtet Van Sant vielmehr das Geschehen, das zwischen den Extremen Banalität und Schicksalhafttigkeit hin und herschwankt. Die Kamera schwebt dabei oft einem Geist gleich neben den Darstellern und verfolgt diese in den Gängen und auf dem Campus. Dadurch wird eine unheimliche, nahezu beklemmende Wirkung erzeugt. Unterstützt wird diese von einer gelungenen Soundspur, bei der die natürlichen Geräusche gekonnt mit fremdartigen Tönen vermischt werden.
Auch die Wiederholung von Szenen aus den Blickwinkeln verschiedener Personen stiegert die Beklemmung, bis diese sich schließlich bei dem befürchteten, nicht gerade herbeigesehnten Höhepunkt auf unangenehme Weise zerstreut. - Herausragend. (MR/030-Kino.de) |
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(...) Die Kamera folgt - das ist hier keine lapidare visuelle Technik, sondern meint einen ziemlich aufwändigen, ausgestellten Akt. Es sind lange Wege durch endlose Korridore und um unerwartete Ecken. Dahinter tun sich ebenso unerwartet lichtdurchflutete oder überraschend unterbelichtete Räume, Hallen, Fluchten auf. Oder es sind Wege über den endlosen Campus, der hier an ein Sportfeld grenzt und dort wieder an einen Wald oder einen Parkplatz. Je nach Unterlage wird der Gang federnd oder rollt eher rockig.
Die geduldige Kamera macht das mit, unter ihren Schienen und Tretern entfalten sich subtile Soundscapes, die die weitgehend ruhende, unglaublich weitläufige, immer nur horizontale Schullandschaft in ein gestretchtes psychedelisches Universum verwandeln. L'Année dernière à Littleton. Erst viel später, als die beiden inzwischen hochgerüsteten Attentäter kurz vor dem Beginn des Gemetzels noch einmal den Plan der Liegenschaften anschauen, die sie mit Terror überziehen wollen, wandelt sich der Eindruck, und man ist überrascht, wie übersichtlich diese Architektur ist, wenn man sie aus einer anderen Perspektive anschaut.
Gus Van Sant zeigt, dass in Pubertät und Adoleszenz nur eine Membran Alltag und Metaphysik trennt: Kontingenz, Tod, Schicksal, Sexualität, Unendlichkeit. Im entscheidenden Moment schaut die Kamera nach oben, wo ein Kondensstreifen eben diese Unendlichkeit etwa so unbeirrt und überlegen durchmisst wie diese Jugendlichen die Frühstücksräume der Transzendenz. Dazwischen immer der Sturz in die absolute Banalität. Kurze Begrüßungen mit anderen Jugendlichen, Verabredungen, Aufarbeitungen des Wochenendes, Teenagerprobleme. Aber Teenagerprobleme sind Teenagern, schon wenn sie sie aussprechen, wahnsinnig peinlich, weil sie nämlich eigentlich die ganze Zeit mit Gedanken zu Vergeblichkeit, Nichtigkeit und Endlichkeit der Existenz beschäftigt sind. Banalität ist ihnen viel schrecklicher als Erwachsenen. (...)
Es ist der suburbane Raum in seiner besonders modernen, sich in Musterschulen noch weiter streckenden und spannenden Form, der die Unerträglichkeit pubertärer Todesangst auf den Punkt bringt: endlose Ewigkeit und zugleich engste Gleichförmigkeit, simultanes Würgegefühl und Platzangst. Darauf schießt man nicht nur, weil man das loswerden will, sondern auch, weil es komplett unverständlich ist. Zuweilen aber auch, gerade wenn man nicht beteiligt ist und entspannt zusehen kann, sehr schön.
(Quelle: taz)
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