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 Filmtipp
Zwei Meinungen
zu "Monster" von Patty Jenkins
Nach einer wahren Geschichte: In den 1980er gerät die in ihrer Kindheit missbrauchte "Highway-Prostituierte" Aileen Wuornos (Charlize Theron) auf die schiefe Bahn und wird in Florida zur Serienmörderin. Ihre erste Tat ist noch halbwegs verständlich: Nachdem ein gewalttätiger Freier sie misshandelt und vergewaltigt hat, erschießt sie den Mann. Bei der nächsten Gelegenheit reicht ihr schon eine verbale Entgleisung ihres potenziellen Opfers. Mehr und mehr verliert Aileen die Skrupel vor ihren Taten.

Derweilen hat sie eine junge Lesbe namens Selby Wall (Christina Ricci) kennengelernt, die in Florida bei Pflegeeltern lebt und aus dem Kleinstadt-Muff ausbrechen will. Selby verliebt sich bald on Aileen, ohne zu ahnen, mit welcher Art von Persönlichkeit sie es zu tun hat. Die beiden finden sich schließlich gemeinsam auf der Flucht vor der Polizei und Selby ist geschockt, als sie erfährt, wie sie das ganze Geld organisiert.

"Monster" ist Patty Jenkins' erster Langfilm. Dabei hat sie selbst auch das Drehbuch geschrieben. Doch der Film lebt hauptsächlich von einer ungeheuer beeindruckend spielenden Charlize Theron, die für ihre Leistung mit Auszeichnungen nur so überhäuft wurde (Silberner Bär, Oskar, Golden Globe, Screen Actors Guild Award und viele mehr). Bezeichnend ist, dass der Film sonst fast keine weiteren Preise erhielt.

Allein die Mimik, Gestik und der restliche Köpereinsatz von Charlize Theron, geben ein umfassendes Charakterportrait der Serienmörderin Aileen Wuornos. Da braucht es nicht allzuvieler Worte oder einer raffinierten Handlung. Der Film ergreift dann auch nicht Partei, sondern beschränkt sich im Wesentlichen auf eine möglichst wertfreie Schilderung der Ereignisse, fast schon dokumentarisch. Dem Zuschauer bleibt am Schluss die Ergriffenheit von einem entsetzlichen Schicksal einer am Ende verzweifelten Frau. Sehenswert. (MR/030-Kino.de)
Am Ende bleiben nur mahlende Oberkiefer: Patty Jenkins erzählt in "Monster" die wahre Geschichte einer Verstoßenen, die irgendwann blindwütig zu morden beginnt. Dabei überzeugt vor allem Charlize Theron mit ihrer präzisen Darstellung der 2002 hingerichteten Serienmörderin Aileen Wuornos. (...)

Wer eine der beiden Dokumentationen Nick Broomfields über "die erste Serienmörderin Amerikas" kennt, wird (...) verblüfft feststellen, wie sorgfältig Theron die Verhaltensweisen Wuornos studiert hat. Die Mimesis funktioniert nicht nur über die Arbeit der Maskenbilder, sondern bis hin zu Körperhaltungen und Redegewohnheiten. Lacht sie, scheint ihr Gesicht fast zu zerfallen. Von Theron geht eine permanente Anspannung und Unruhe aus, die dem Film so lange zugute kommt, wie er sich mit konventionellen dramatischen Mitteln zurückhält.

Jenkins will Aileen Wuornos nicht zur feministischen Märtyrerin stilisieren, dafür war die echte Wuornos ohnehin eine viel zu ambivalente Persönlichkeit. Trotzdem verhehlt der Film seine Sympathien nicht. Vielleicht muss "Monster" am Ende deswegen auch über konventionelle erzählerische Mittel wie Empathie, Musikeinsatz und Method Acting funktionieren. Wenn der Soundtrack anzuschwellen beginnt, weil Wuornos sich in die Ecke gedrängt fühlt, versucht Jenkins den Zuschauer mit einfachsten psychologischen Tricks zu manipulieren. Therons kantiges Muskelspiel wirkt dagegen viel überzeugender, gerade weil es sich auf so wenige Ausdrücke beschränkt. (...)

Kein Film vermag einen Menschen wie Aileen Wuornos zu erklären. Ihre unheimliche Arroganz gegenüber dem Leben ihrer Opfer, in denen sie nur potenzielle Täter sah. Die todbringende Sehnsucht nach Geborgenheit. Noch nach der Verkündigung ihres Todesurteils hatte sie versucht, ihre Taten vor der Öffentlichkeit als Selbstverteidigung zu rechtfertigen. Um Parteinahme geht es Jenkins mit ihrem Film nicht. Jeder sozialkritische Impuls muss an Wuornos blindwütiger Verzweiflung versagen. Was bleibt, ist ein trauriges Schicksal. Der Blick hinter die deprimierende Geschichte ruft kein Gefühl der Genugtuung mehr hervor, sondern nur noch blankes Entsetzen. Es scheint, als sei der Mensch sich selbst das größte Monster.

(Quelle: taz)


Wo dieser Film in Berlin läuft erfahren sie unter Berlinonline.de...
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