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So ist das mit der Liebe: Wenn man sich nach langer Zweisamkeit auseinandergelebt hat und bei dem Partner überwiegend nur noch dessen negativen Seiten sieht, ist es Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen. Wie schön wäre es da, alle Erinnerungen an die nunmehr verhasste Person löschen zu lassen, so dass man völlig unbeschwert an die nächste Partnersuche gehen kann. Das dachte sich Clementine Kruczynski (Kate Winslet) und begab sich zu einer psychiatrischen Arztpraxis auf Long Island, die seit neustem diesen Service anbietet.
Dort ließ sie alle Erinnerungen an ihren Freund Joel Barish (Jim Carrey) löschen, der durch Zufall von Clementines "Behandlung" erfährt. Und tatsächlich: als er ihr in der Buchhandlung, in der sie arbeitet, gegenübersteht, erkennt sie ihn nicht wieder. Joel ist schockiert und schließt den selben Entschluss: Clementine muss aus seinem Gedächtnis gelöscht werden.
Während der nächtlichen Behandlung durchlebt Joel noch einmal seine ganze Beziehung mit Clementine, bevor Szene für Szene anschließend gelöscht wird. Am nächsten Tag ist Valentinstag und Joel fasst den Entschluss, nicht zur Arbeit zu fahren, sondern ans Meer, wo er eine faszinierende, offenbar sehr einsame Frau kennenlernt...
"Eternal Sunshine of the Spotless Mind", so der Originaltitel von "Vergiss mein nicht" ist nach "Being John Malkovich" und "Adaption" ein weiterer Geniestreich des genialen Drehbuchautors Charly Kaufman und nach "Human Nature" die zweite Zusammenarbeit mit dem in Frankreich geborenen Regisseur Michel Gondry. Dieser ist bisher vor allem berühmt geworden durch Musikvideos für Björk, Massive Attack und die Chemical Brothers.
So verwundert es dann auch nicht, dass "Vergiss mein nicht" teilweise rasant geschnitten ist. Träume haben offenbar etwas mit Musikvideos gemein. Bemerkenswert sind auch die dezent eingesetzten Spezialeffekte, die man gar nicht oder nur bei genauerem Hinsehen als solche erkennt. "Vergiss mein nicht" wäre aber nichts ohne die herausragend spielenden Hauptdarsteller Jim Carrey und Kate Winslet. Carrey beweist ein weiteres Mal, dass er nicht nur Klamauk überzeugend spielen kann.
Für die Handlung etwas überflüssig und offenbar hauptsächlich aus Vermarktungsgründen integriert wirken die mit Kirsten Dunst und Elijah Wood besetzten Nebenfiguren und ihre Handlungen. Ansonsten - sehr sehenswert und für Fans von "Being John Malkovich" unbedingt zu empfehlen.
(MR/030-Kino.de) |
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(...) Michel Gondry, der Regisseur von "Vergissmeinnicht", ist neben Chris Cunningham und Spike Jonze der dritte berühmte Videoregisseur (u. a. Klassiker für Cibo Matto, Daft Punk und Björk). Auch für ihn hat Kaufman schon ein Drehbuch geschrieben ("Human Nature"). Doch noch nie war der Plan für den Abstieg der Kamera ins Selbst so ausgetüftelt wie hier. Bei "Vergissmeinnicht" sollen eher im Bild als im Plot Verdrängtes und Kindheitsprägungen aus dem Archiv des Subjekts herausgezogen und als Spielfilm organisiert werden. Selbst Hitchcock traute sich das nicht und überließ diese Arbeit einem ausgewiesenen Surrealisten: Salvador Dalí.
Eine Psychoklitsche auf Long Island bietet ein Verfahren an, die Erinnerung an einen ganz bestimmten Menschen zu löschen. Dies wollen die beiden Hauptfiguren (Jim Carrey und die als verunsichert pampige Postslackerin großartige Kate Winslett) nach einer ausweglos gewordenen Beziehung in Anspruch nehmen. Bei Carrey nehmen wir an dem Vorgang teil. Filmchen für Filmchen werden seine Winslett-Erinnerungen abgespielt und gelöscht. Doch Carrey selbst ist als Homunculus anwesend und versucht, obwohl sein Alltagsselbst samt Körper betäubt ist, die schöneren Erinnerungen an Kate in Sicherheit zu bringen. Die Operateure löschen nur die Areale, die sie vorher bei Gesprächen markiert haben, und von denen sie wissen, dass dort die gemeinsamen Tage mit Kate stecken. Dies wissend, schleppt der Carrey-Homunculus während der Operation die erinnerte Kate immer dahin, wo sie in seinen bisherigen Erinnerungen nicht gewesen sein kann: zum Beispiel in die Kindheit.
Bei dieser Tour de Force liefert Kaufmans Talent für immer neue Modelle des menschlichen Innenlebens den Rahmen; Gondrys Liebe zu zirkulären Situationen, zu Spiegelungen und Diptychen sorgt für die Bilder. Die unvermeidliche Wiederbegegnung der beiden Gelöschten scheint dabei auf den unsympathischen Determinismus hinauszulaufen, den Bowie mit "Always Crashing In The Same Car" besungen hat: Man verknallt sich immer in dieselben Objekte, auch noch nach einer Lobotomie. Das kann man dann nur noch einer Himmelsmacht Liebe zurechnen, die an Geschichte und Individualität nicht interessiert ist. (...)
(Quelle: taz) |
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