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 Filmtipp
Zwei Meinungen
zu "The Day After Tomorrow" von Roland Emmerich
Jack Hall (Dennis Quaid) ist ein angesehener Klimatologe, ein Experte für Eiszeiten, um genau zu sein. Auf einer Klimakonferenz berichtet er von seiner Theorie, dass in nicht allzu ferner Zukunft eine Eiszeit die Erde heimsuchen könnte. Als auf der Nordhalbkugel das Wetter anfängt, verrückt zu spielen, deutet er dies jedoch noch nicht als Bestätigung seiner Theorie. Erst als er von dem befreundeten Wissenschaftler Terry Rapson (Ian Holm) aus Schottland die Nachricht bekommt, dass die Wassertemperaturen im Nordatlantik rapide fallen, beginnt er, sich ernsthaft Gedanken zu machen.

Bald wird klar, dass sich auf der Nordhalbkugel drei unglaublich große Superhurrikans gebildet haben, die eisige Luft aus der höheren Atmosphäre an den Erdboden transportieren. Eins dieser Systeme nimmt gerade direkten Kurs auf New York. Unglücklicherweise sind Jacks Sohn Sam (Jake Gyllenhaal) und seine Angebetete Laura Chapman (Emmy Rossum) gerade dort.

Jack kann schließlich doch den US-Päsidenten davon überzeugen, die südlichen Bundesstaaten der USA nach Mexiko zu evakuieren - den nördlichen ist ohnehin nicht mehr zu helfen. Anschließend begibt er sich mit zwei tapferen Kollegen auf die Reise nach New York, um seinen Sohn zu retten. Diese Reise wird nicht ohne Opfer bleiben...

Roland Emmerich kehrt 20 Jahre nach seinem sehenswerten Debütfilm "Das Arche Noah Prinzip" wieder zum Thema Wetter zurück. Aber diesmal hat er augfrund seiner Erfahrungen als Hollywood-Actionfilm-Regisseur ("Independence Day", "Godzilla" usw.) auf eine interessante und tiefer gehende Story verzichtet und bedient ein weiteres Mal die üblichen Action-Film-Klischees:

Einsamer Wissenschaftler versucht verzweifelt, die Verantwortlichen zu überzeugen. Keiner hört ihm zu. Familienmitglied gerät in Gefahr. Wissenschaftler wird zum Helden. Romantische Nebenhandlung nicht vergessen - hier mal mit Sohn. Einzig überzeugen können die zum Teil atemberaubenden Special Effects. Als Entschädigung darf man auch noch einige Spitzen gegen die amerikanische Regierung genießen. Ansonsten: Zwiespältig.

(MR/030-Kino.de)
(...) Roland Emmerich ist ein Großmeister der Zerstörung. In "Independence Day" hat er der Reihe nach alle amerikanischen Sehenswürdigkeiten zerdeppert, in "Godzilla" genüsslich New York in Schutt und Asche gelegt und zuletzt in "Der Patriot" noch einmal die Schlachtfelder der amerikanischen Revolution zum Leben erweckt. Doch immer, wenn alles kaputt war und die Spielfiguren fassungslos vor den rauchenden Trümmern standen, schien Emmerich das Interesse an ihnen zu verlieren. Gerade so, als wäre er nur nach Hollywood gegangen, um das Weiße Haus einzureißen, hielt er sich selten länger mit den Aufräumarbeiten auf. Statt einer nachvollziehbaren Lösung bot er meist nur ein seltsam aufgesetztes Happy End.

In "The Day After Tomorrow" ändert sich an der dramaturgischen Schieflage zwar wenig, doch hat sich Emmerich mit der Klimakatastrophe ein Thema ausgesucht, bei dem die Schieflage nicht weiter stört. Tatsächlich ist sie sogar unbedingt notwendig. Denn spielt das Wetter erst einmal verrückt, lässt es sich im Unterschied zu Aliens und wild gewordenen Riesenechsen durch Waffengewalt nur selten wieder zur Vernunft bringen. (...)

Dass sich der Klimawandel wohl nicht so abspielen wird, wie Emmerich es in dem Film skizziert, versteht sich von selbst. Auch wenn naseweise Kritiker herausgefunden haben, dass es möglicherweise gar keine Eiszeit, sondern unschöne Dürren und Fluten geben wird, muss man Emmerich auf Knien für diesen Film danken. Mit "The Day After Tomorrow" hat er endlich mal wieder einen Blockbuster in die Kinos gebracht, der im Gegensatz zu "Herr der Ringe II-III", "Matrix II-III" oder "Troja" nicht nervt. Und es ist es ihm gelungen, der US-Regierung die Zornesröte ins Gesicht zu treiben. Mehr kann man nicht wollen.

Als am Schluss versöhnlich die Sonne am Himmel steht, sieht es zwar so aus, als schenke Emmerich den Zuschauern wieder ein aufgesetztes Happy End. Doch tatsächlich bleibt die nördliche Hemisphäre gefroren und der neue amerikanische Präsident regiert aus dem Exil, der Amerikanischen Botschaft, die in Mexiko steht.


(Quelle: taz)


Wo dieser Film in Berlin läuft erfahren sie unter Berlinonline.de...
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