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 Filmtipp
Zwei Meinungen
zu "Muxmäuschenstill" von Marcus Mittermeier
Mux (Jan Stahlberg) ist ein Denker, ein Philosoph des Alltags, der seine Beobachtungen und Gedanken gern in geselliger Runde kundtut. So ist seine Kritik an Typen wie Roland Koch - laut Regisseur die Inspiration für diesen Film - oder Dieter Bohlen treffend. Aber Mux ist auch ein Streiter. Denn was Mux wirklich ankotzt, sind jede Art von Bagatelldelikten vom Bei-Rot-über-die-Ampel-Gehen bis zum achtlosen Müllwegwerfen. Dabei ist das Schlimmste die widerspruchslose Tatenlosigkeit, mit der Passanten auf solche Vergehen reagieren.

Darum schreitet Mux zur Tat. Begleitet von seiner rechten Hand, dem Langzeitarbeitslosen Gerd (Fritz Roth), der den Kampf für eine bessere Welt mit der Kamera auch dokumentiert, und bewaffnet mit Mäuschen, seiner Pistole, beginnt er aufzuräumen. Seine Aufgaben sind so vielfältig, dass er bald schon Personal beschäftigen muss und die "Gesellschaft für Gemeinsinnpflege" wird zum "Unternehmen für mehr Gerechtigkeit".

Die rabenschwarze, rasant inszenierte Satire "Muxmäuschenstill" wurde auf der letzten Berlinale als Highlight in der "Perspektive Deutsches Kino" gefeiert. Das Regiedebüt des Schauspielers Marcus Mittermeier ("Jenseits des Regenbogens", "Samt und Seide") erhielt bereits vorher auf dem Max-Ophüls-Festival mehrere Preise.

Die Filmförderung verweigerte übrigens im Vorfeld eine Finanzierung dieses großartigen Werkes, dass nur 40.000 Euro gekostet hat. Zur Begründung hieß es, Mux sei "weder charmant, schlau noch witzig", und das Thema "unsoziales Verhalten in der Gesellschaft" interessiert im Kino kaum. "Muxmäuschenstill" ist sicher keine leichte Kost. Wer aber solche Art Filme mag, kann sich köstlich amüsieren. - Herausragend.


(Filmstart: 08. Juli 2004)

(MR/030-Kino.de)

(...) Wenig überraschend hat der Film "Muxmäuschenstill" auf dem diesjährigen Max-Ophüls-Filmfestival gleich vier Preise gewonnen, darunter auch den Hauptpreis als bester Film. Man wünscht ihm, seinem Regisseur Marcus Mittermaier und Hauptdarsteller und Drehbuchautor Jan Stahlberg jede Menge weiterer Preise, so famos ist die grotesk-schwarze Komödie um den "Weltverbesserer" Mux.

Der sieht aus und redet wie ein Versicherungsvertreter, hat aber seiner Ansicht nach viel mehr zu bieten, nämlich "Sinn und Verantwortung". Wer beim Schwarzfahren, Radeln auf dem Bürgersteig oder beim Rot-über-die-Ampel-Gehen von Mux und seinem Kameramann erwischt wird, darf zahlen und sich geläutert fühlen und bekommt obendrein einen Ehrenplatz in einem von Mux "Schulungsvideos für die Nation". Dass hinter der Maske des selbstgerechten Biedermeiers ein Psychopath steckt, ist nicht schwer zu erraten. Da hat endlich mal einer sein Ziel gefunden: der Travis Bickle unter den Jungunternehmern zu werden.

(Quelle: taz)


Wo dieser Film in Berlin läuft erfahren sie unter Berlinonline.de...
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