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 Filmtipp
Zwei Meinungen
zu "Marseille" von Angela Schanelec
Sophie (Maren Eggert) ist Mitte 30 und lebt als Fotografin in Berlin. Um dem eintönigen Leben in der deutschen Großstadt zu entfliehen, hat sie für 2 Wochen mit einer Frau aus Marseille die Wohnung getauscht. Doch die Stadt am Mittelmeer päsentiert sich im Winter nicht gerade als einladende Metropole.

Das ist es aber auch gar nicht, was Sophie sucht. Es wird aber auch nicht wirklich klar, was es ist. Möglicherweise will sie aus der Dreiecksgeschichte in Berlin entfliehen. Ihre Freundin Hanna (Marie-Lou Sellem) ist mit dem Fotografen Ivan (Devid Striesow) zusammen, für den sich Sophie auch interessiert.

In Marseille macht sie Fotos und lernt Pierre (Alexis Loiret) kennen, einen Angestellten einer Autowerkstatt. Er leiht ihr sein Auto, damit sie in die Berge fahren kann. Doch mehr passiert zwischen den beiden nicht. Zurück in Berlin fasst sie bald den Entschluss, noch einmal nach Marseille zu fahren. Doch dort angekommen wird sie in ein merkwürdiges Verbrechen verwickelt...

Die Filme von Angela Schanelec sind einerseits etwas besonderes in der deutschen Kinolandschaft, andererseits aber auch durchaus umstritten. Schanelec arbeitet viel mit Auslassungen. Das Erzählen einer stringenten Geschichte steht bei ihr im Hintergrund. So bleibt dem Zuschauer viel Interpretationsspielraum.

Schanelec nutzt die Zeit, um sich meist einer einzigen Protagonistin zu widmen. Diese beobachtet sie dann ausgiebig in den verschiedensten Situationen. So bleibt dann die Kamera auch oft lange in einer einzigen Einstellung stehen. Doch der Zuschauer erfährt nicht viel über die Hintergründe von Sophies Aktionen oder von denen anderer Akteure.

Vielmehr ist es an den Schauspielern, über Gestik und die vergleichsweise wenigen gesagten Worte eine Stimmung an den Zuschauer zu vermitteln. Wie "Mein langsames Leben" und der noch radikalere Vorgänger "Plätze in Städten" ist auch "Marseille" hauptsächlich für ein anspruchsvolleres Filmfestival-Publikum geeignet. Sehenswert.

(MR/030-Kino.de)
(...) Im Grunde kann man den ganzen Film mit [...] Nebensächlichkeiten nacherzählen. Denn an so genannten großen Handlungen ist "Marseille" enorm arm. Sophie fährt nach Marseille, Sophie kehrt zurück nach Berlin, Sophie fährt ein zweites Mal nach Marseille. Hier nun wird sie in ein Verbrechen verwickelt, das sich am Ende aber nicht weiter aufklärt. Ohne Gepäck und Papiere bleibt sie am Strand zurück. Für dieses letzte Bild darf sogar einmal die Sonne sanft über dem Mittelmeer untergehen, "bevor das Licht verschwindet", wie Schanelec im Interview mit der ihr eigenen spröden Ironie angemerkt hat.

(...) Es gehört zu den großen Qualitäten von "Marseille", dass Schanelec alles Zwischenmenschliche in der Schwebe belässt. Wie schon in ihren früheren Filmen "Plätze in Städten" oder "Mein langsames Leben" gibt es wenig zu entdecken, was nicht auch in den Bildern gesagt wird. Intimität und Bekenntnis gehören nicht in Schanelecs Kino, eher schon sind sie durch Gesten und Andeutungen indirekt vermittelt wie bei Eric Rohmer oder Robert Bresson. Nie werden die Gefühle der Protagonisten ausgesprochen, beklagt oder diskutiert. Immer aber spürt man im Film die Anwesenheit solcher prägenden Erfahrungen - sei es in der Erinnerung oder als Verletzung.

Zurück in Berlin sieht man Sophie in einer Dreierkonstellation, aus der sich ihre Reise nach Marseille erklärt. Die Verhältnisse daheim sind furchtbar kompliziert, die beste Freundin Hanna (Marie-Lou Sellem) lebt mit dem Fotografen Ivan (Devid Striesow) zusammen, für den auch Sophie einige Zuneigung empfindet. Als Hanna auf den Konflikt zu sprechen kommt, weicht Sophie aus. Ohnehin scheint sie sich gegenüber ihrer Umwelt gepanzert zu haben. Wenn sie anfangs im schweren Mantel durch Marseille wandert, sieht sie wie eine Partisanin aus, die nur nicht weiß, gegen wen es zu kämpfen gilt." (...)


(Quelle: taz.de)

Wo dieser Film in Berlin läuft erfahren sie unter Berlinonline.de...
Noch ansehen: "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" von Peter Webber

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