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 Filmtipp
Zwei Meinungen
zu "Land of Plenty" von Wim Wenders
Nach dem Tod ihrer Mutter begibt sich Lana (Michelle Williams) von Tel Aviv aus auf die Reise in ihr Heimatland USA. Dort lebt ihr nunmehr einziger Verwandter, ihr Onkel Paul (John Diehl). Angekommen in Los Angeles findet sie zunächst eine halbwegs akzeptale Unterkunft in einer Mission für Obdachlose.

Lana versucht, ihren Onkel in L. A. ausfindig zu machen, was sich als etwas schwierig gestaltet. Als Vietnam-Veteran gezeichnet, arbeitet Paul seit den Terror-Anschlägen vom 11. September 2001 als selbst ernannter Undercover-Agent. Mit seinem ausgebauten Lieferwagen überwacht er eigenständig verdächtige Objekte und Personen und ist überzeugt davon, damit die Behörden bei der Terrorbekämpfung zu entlasten.

Für seine Nichte interessiert er sich nicht besonders. Erst als nahe der Obdachlosen-Mission ein Pakistani aus einem Auto erschossen wird, kommen die beiden sich näher. Während Paul davon überzeugt ist, dass dieses Verbrechen einer Terrorzelle zuzuordnen ist, die es aufzuspüren gilt, sieht Lana den Fall ganz anders. Aus Mitleid versucht sie, die Familienangehörigen des Toten aufzuspüren.

Schließlich landen beide zusammen auf einer Reise, die sie zum Bruder des Toten führt. Hier, im kalifornischen Hinterland, vermutet Paul das ideale Versteck für Schläfer, doch die Wahrheit sieht ganz anders aus...

Zwar kann die Darstellung der Sinnlosigkeit der Paranoia halbwegs überzeugen und auch die technische Umsetzung des Films lässt nichts zu wünschen übrig, das Drehbuch enthält aber besonders in der ersten Hälfte starke Längen. Das Ende wirkt gar extrem aufgesetzt und unnötig pathetisch. Zudem wirkt die Figur des Paul zu konstruiert und wenig authentisch - fast schon wie eine Entschuldigung des konservativen Amerikas.

So überrascht es nicht, dass der deutsche Beitrag zu den Filmfestspielen in Venedig 2004 nicht den erhofften Goldenen Löwen gewonnen hat. "Land of Plenty" muss wohl leider zu den schwächeren Werken von Wim Wenders gezählt werden. Zwiespältig.

(MR/030-Kino.de)
(...) Erst in der Weite der amerikanischen Landschaft, in denkbar großer spiritueller Ferne zu L.A., kommt es zum Gespräch zwischen Onkel und Nichte. Der Dialog aber, der in naiver Leitartikelmanier den Hass der Welt auf Amerika reflektieren will, wird eingeleitet durch eine Kamerabewegung, die mit einem eine Weile gehaltenen Blick durch die Bäume in den Himmel, in die Sonne beginnt. Dann schwenkt die Kamera langsam von oben nach unten, vom Himmel zur Erde, von der Transzendenz zur Realität, wie der Film sie sich vorstellt. Freilich vertraut Wenders weniger dem Bild als dem Text, will nicht sehen, sondern erklären, will nicht hören, sondern sprechen, will nicht analysieren, sondern glauben.


(...) Wim Wenders neuer Film ist ein Road Movie, sein Ort aber kein reales, sondern ein durch und durch allegorisches Amerika. Anders als in den frühen und sehr schönen Filmen (man denke nur an "Alice in den Städten") ist für die eigentliche Bewegung und für den Blick auf die Orte, den Raum, die Zeit, die Stadt kaum mehr Platz. Die Orte wie die Figuren werden mit Botschaften plakatiert: vom Verlust der Unschuld, vom Vietnam-Trauma, das sich wiederholt, vom Glauben, der die Erlösung des Ruhelosen verspricht. Die Figur des Paul ist dabei nicht mehr und nicht weniger als eine Allegorie der USA: im Herzen gut, aber schwer geschädigt durch das Trauma Vietnam; erneut getroffen durch die Anschläge vom 11. September und in absurde Terrorismus-Paranoia getrieben.

In der Figur des Paul entschuldigt Wim Wenders das neokonservative Amerika durch die Unterstellung, es wisse nicht, was es tut. Noch in der aggressiv gewendeten Paranoia steckt ein Unschuldskern, der durch liebende Zuwendung der Errettung fähig ist. Verkörperung dieser liebenden Zuwendung ist Lana. Sie tritt im Film an die Stelle des Filmemachers Wenders, der seine geliebte zweite, aber spirituell erste Heimat USA durch eine Geste des Verzeihens und Mitleidens erlösen will. Diese Geste ist es, die "Land of Plenty", so klein der auf Digitalvideo gedrehte Film daherkommt, so schnell und spontan er entstanden ist, schließlich doch zum Dokument des Größenwahns macht. (...)

(Quelle: taz.de)


Wo dieser Film in Berlin läuft erfahren sie unter Berlinonline.de...
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