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 Filmtipp
Zwei Meinungen
zu "Just a Kiss" von Ken Loach
Die in Irland geborene Roisin Hanlon (Eva Birthistle) ist eine junge, attraktive Lehrerin. Sie unterrichtet als Halbtagskraft an einer katholischen Schule in Glasgow im Fach Musik. In diese Schule geht auch Tahara Khan (Shabana Bakhsh), ein Teenagerin pakistanischer Herkunft. Taharas älterer Bruder Casim (Atta Yaqub) hat sich in die Musiklehrerin verliebt, doch sein Vater plant schon die Heirat seines Sohnes mit einer Pakistanerin und hat bereits mit dem Ausbau des Hauses begonnen.

Casim muss sich nun zwischen seiner Familie und Roisin entscheiden. Sein Vater wird keine Frau aus einer fremden Kultur und Religion akzeptieren und eine Entscheidung für Roisin würde für ihn Schande und Entehrung der Familie bedeuten. Auch Tahara begehrt gegen ihren Vater auf, will sie doch nicht zu Hause in Glasgow, sondern in Edinburgh Journalismus studieren. Nur die älteste Tochter scheint noch die traditionellen Werte der pakistanischen Kultur hoch zu halten.

Doch auch Roisin hat ihre Probleme mit der Gesellschaft. Für die Verlängerung ihres Arbeitsvertrages an der katholischen Schule benötigt sie eine Unterschrift des Pfarrers. Dieser verweigert diese jedoch, weil Roisin angeblich in einer wilden Ehe lebt.

Ken Loach, einer der erfolgreichsten Independent-Filmregisseure aus England, hat mit "Just a Kiss" auf ungeahnte Weise einen überzeugenden Beitrag zur derzeitigen Integrationsdiskussion geliefert. Loach hat wie immer in seinen Millieufilmen genau beobachtet und diese Ergebnisse mit einem einfachen, aber wirksamen Plot verbunden.

Sein langjähriger Drehbuchautor Paul Laverty beweist zudem, dass auch eine gelungene romantische Geschichte in einem Loach-Film untergebracht werden kann. "Just a Kiss" gewann auf der Berlinale 2004 zu Recht den Preis der ökumenischen Jury und den Preis der Gilde deutscher Filmkunsttheater. - Herausragend.

(MR/030-Kino.de)
(...) Nun herrscht in "Just a Kiss" (eine Umdichtung des Originaltitels "Ae Fond Kiss", der sich auf ein leitmotivisch gesungenes Robert-Burns-Lied bezieht) kein Mangel an Aufmerksamkeit fürs Milieu, in dem er spielt. Die Verwerfungen zwischen pakistanischer Tradition und den Usancen der britischen Gesellschaft werden in verschiedensten Aspekten und Effekten durchdekliniert. (...)

All das wird durchaus stimmig dargestellt, tatsächlich geht auch der melodramatische Kern der Liebesgeschichte zu Herzen. Loach erzählt hier mit einiger Delikatesse, seine beiden Hauptdarsteller Eva Birthistle und Atta Yaqub verleihen den Konflikten, die sie verkörpern, sympathische und glaubwürdige Gestalt. Leider aber sind sie zuletzt eben nicht viel mehr als das: Verkörperung von Konflikten. Noch in den wunderbar selbstverständlich gefilmten Sexszenen werden, halb im Scherz, halb im Ernst, Herkunftsdifferenzen ausgehandelt. Nichts gegen die These, dass im Privatesten noch das Politische steckt. Nur steckt in den Figuren zuletzt gar nichts mehr, das nicht auf das Konfliktparallelogramm, in das der Film sie zwingt, verrechenbar wäre.

Gerade im Bemühen um Genauigkeit aber, das man spürt, besteht das Problem. Zu viel war offenbar abzuwägen. So muss der Einwandererproblematik eine Geschichte um katholische Vorgestrigkeit gegenübergestellt werden. (...) Die Stärke des Films und vor allem seiner Darsteller ist, dass sie es schaffen, einem am Reißbrett entworfenen Problem Leben einzuhauchen. Seine Schwäche bleibt, dass das abstrakte Problem als Vorgabe nie hinter dem lebendig Erzählten verschwindet und ihm so jedes Eigenleben verweigert. Dabei fing es so schön an, mit einem elektrisierten Hund, der nichts zur Sache tut.

(Quelle: taz.de)


Wo dieser Film in Berlin läuft erfahren sie unter Berlinonline.de...
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