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Jan (Daniel Brühl), Jule (Julia Jentsch) und Peter (Stipe Erceg) sind die drei jugendlichen Protagonisten in Hans Weingartners zweitem Langfilm. Nach "Das weiße Rauschen" ist dies auch zweite Zusammenarbeit des 34-jährigen Regisseurs mit dem inzwischen zum Publikumsliebling gewordenen Daniel Brühl.
Jan und Peter leben in Berlin und haben ein ungewöhnliches Hobby: Sie brechen nachts in Zehlendorfer Villen ein, ohne jedoch etwas zu klauen. Vielmehr verstehen sie sich als Erziehungsberechtigte, die den Reichen eine Lektion erteilen wollen. So arrangieren sie auf kreative Art und Weise die Möbelstücke neu, verstecken den wertvollen Schmuck im Kühlschrank und erledigen andere, ähnlich nette Sachen. Am Schluss wir immer eine Nachricht hinterlassen: "Sie haben zu viel Geld" oder "Die fetten Jahre sind vorbei".
Als Peters Freundin Jule eines Tages aus ihrer Wohnung geworfen wird, weil sie ihre Miete nicht mehr zahlen kann, zieht sie zu den beiden Männern in die WG. Der Grund für Jules Geldknappheit ist ein von ihr verursachter Autounfall, bei dem der knapp 100.000 Euro teure Mercedes eines Neureichen namens Hardenberg einen Totalschaden erlitt. Dafür muss sie jetzt zahlreiche Jahre ihres Lebens finanziell büßen.
Als Jule von Jan über die nächtlichen Aktivitäten der Männer erfährt und außerdem noch die Villa von Hardenberg entdeckt, überredet sie Jan, dort einzusteigen, um dem Mann eine Lektion zu erteilen. Dummerweise lässt Jule ihr Handy in der Villa liegen. Bei dem Versuch, dieses zurück zu holen, kommt es unerwarteterweise zu einer Begegnung mit Hardenberg. Dem zugeeilten Peter kommt dann die Idee einer Entführung. Bald finden sich alle vier in den österreichischen Alpen wieder, wo sich verschiedene Konflikte zuspitzen.
Weingartner überzeugt mit "Die fetten Jahre sind vorbei", in dem er den Zeitgeist in Deutschland genau trifft. Dabei ist das Werk nicht agitativ, sondern regt zum eigenen Denken an. Was ist aus den 68ern geworden? Werden die 04er in ihre Fußstapfen treten? Und Weingartner hat es sogar geschafft, dass ein solcher "Problemfilm" zudem auch noch äußerst unterhaltsam ist! - Herausragend.
(MR/030-Kino.de) |
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(...) All denen, die da jammern und klagen in der Depristadt Berlin, und dass einem, traut man sich auf die Straße, in die Lunge gestochen wird, all denen wird geholfen sein, wenn sie "Die fetten Jahre sind vorbei" gesehen haben. Der Film ersetzt in nur zwei Stunden ein halbes Dutzend Gruppentherapietermine, und das auf einigermaßen witzige Weise. Wer sich helfen lassen will, braucht nur die Lektionen zu befolgen, die ihm der Film erteilt, wobei es genauer gesagt darum geht, anderen eine Lektion zu erteilen: dem S-Klasse-Mercedesfahrer, den Superreichen, den Globalisierungsfreunden.
(...) "Die fetten Jahre …" sind das, was im deutschen Spielfilm außer Mode gekommen ist: ein engagierter Film der guten alten Art, sagen wir: im 70er-Look. Und trotzdem oder deswegen überzeugt er. Weil man ihm glaubt, dass er was rüberbringen will und dass er dabei eins draufsetzt. Hinter der authentischen Eifrigkeit steht jemand, der was will und dem man zuhört: der Regisseur mit seinen Protagonisten. Anders kann ich mir den Erfolg des Films - er lief im Wettbewerb in Cannes - nicht erklären.
Doch, doch, den Bildern, die die digitale Videokamera liefert, lässt sich platterdings nicht widersprechen. Sie haben dokumentarischen Anspruch: So ist es, so sind die Fakten. Licht wurde nicht gesetzt. Den Schauspielern folgt die Kamera - und nicht, wie sonst beim Spielfilm, umgekehrt. Schöpferischer Akt ist die Postproduktion: das Kondensieren der 80 Stunden Material auf 120 Minuten.
Okay, das hat geklappt. Aber was ist es außer dem Film selbst, was Weingartner sagen will? Beantwortet er eine der Fragen, die seine Zuschauer auf den Lippen haben? Antwort: keine. Mit den 68ern ist es nichts. Die 04er haben nichts. Keine Antwort. Und das ist eine. Nämlich dass man sich selbst kümmern muss. Ein "System", welches auch immer, hilft dabei nicht. So oder ähnlich ist des Films manifeste Botschaft. (...)
(Quelle: taz.de)
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