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Alles fängt mit einer einfachen Verwechslung an. Als Anna (Sandrine Bonnaire) aus dem Aufzug tritt, geht sie nach rechts statt nach links und landet nicht wie gewollt, bei einem Psychotherapeuten sondern bei dem Steuerberater William (Fabrice Luchini). Dies fällt ihr aber gar nicht auf, hat dieser doch auch die klassische Couch in seinem Büro zu stehen. Diese dient hier jedoch hin und wieder dem Zweck eines Mittagsschläfchen.
Als Anna anfängt, von ihren Problemen zu erzählen, nimmt William zunächst an, dass es sich um einen Steuerfall handelt. Nur langsam wird ihm klar, dass dies gar nicht der Fall ist. Doch er kommt nicht dazu, sein Gegenüber aufzuklären. So bleibt Anna zunächst in dem Glauben, einen Psychotherapeuten aufgesucht zu haben.
William gelingt es bald, den Irrtum aufzuklären. Anna ist zunächst schockiert, hat sie doch einem wildfremden Mann intime Details aus ihrem Leben erzählt. Und doch hat sie ein merkwürdiges Vertrauen zu William gewonnen und sie setzt ihre regelmäßigen Besuche bei ihm weiter fort. Zwischen beiden entwickelt sich eine ganz besondere Beziehung...
Der im Wettbewerb der Berlinale 2004 gelaufene Beitrag von Patrice Leconte ("Die Frau auf der Brücke", "Ridicule - Von der Lächerlichkeit des Scheins") lebt vor allem von den beiden äußerst erfahrenen Hauptdarstellern. Sandrine Bonnaire ("Vogelfrei", "Est-Ouest - Eine Liebe in Rußland", "Die Farbe der Lüge") spielt gekonnt die unglückliche Ehefrau mit einer geheimnisvollen Geschichte.
Fabrice Luchini war bisher eher aus Nebenrollen bekannt, die er aber immer überzeugend portraitierte ("Alles für die Liebe", "Auferstehung des Colonel Chabert", "Beaumarchais - Der Unverschämte"). "Intime Fremde" ist eine behutsam erzählte Geschichte einer außergewöhnlichen Beziehung zweier Menschen und sehenswertes französisches Kino.
(MR/030-Kino.de)
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(...) Das Leben eines langweiligen Mannes wird durch das versehentliche Eindringen einer anarchischen Frau zerstört, er selbst wird aus den Trümmern errettet. Leconte erfüllt die Grundbedingungen des Genres [Komödie], geht aber andere, heimlichere Wege, die das Interesse zunächst weniger offensiv, dann aber immer nachhaltiger binden.
(...) Schockierend offen spielt die Spezialistin für verschlossene Frauenfiguren, Sandrine Bonnaire, die unglückliche Ehefrau Anna. Trotzdem haftet ihr durchweg etwas Konstruiertes und Artifizielles an. Die Rätselhaftigkeit ist vielleicht sogar gewollt, und das nicht nur um auf den Symmetriemangel einer Psycholehre hinzuweisen, die sich auf den Ödipuskomplex gründet. Denn je weniger man Anna und die wirre Geschichte sexueller Eskapaden mit ihrem Ehemann versteht, desto größer wird das Verständnis für den anfangs so farblos wie undurchsichtigen Steuerberater William - und die Bewunderung für den Schauspieler Fabrice Lucchini.
Lucchini kennt man als ewigen Nebendarsteller. Unendlich nuancenreich und subtil hat man ihn wieder und wieder in der gleichen Rolle gesehen: als den unattraktiven Mann, dessen erotische Begehrlichkeiten zur Schadenfreude des Zuschauers ins Leere zielen. Hier nun entsteigt er diesem Klischee endlich, und zwar mit so viel Behutsamkeit und Vorsicht, dass man es zunächst kaum bemerkt. Dann aber gehört ihm auf einmal alle Sympathie.
Dem spießigen William verleiht Lucchini die melancholische Aura eines Menschen, der selbst darüber staunt, dass er nicht unglücklich ist - obwohl sein Leben sich in einem Gefängnis von Konventionen abspielt. (...) Das Ritual der Therapiesitzung eröffnet dem Gewohnheitsmenschen überraschend die Möglichkeit eines anderen Handelns. Köstlich, wie William abwechselnd versucht, ein guter Therapeut oder zumindest ein guter Scharlatan zu sein - für ein Ziel, dass er nie ins Auge gefasst hat. So gut kann es tun, falsch verstanden zu werden.
(Quelle: taz.de)
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